Hast du dir deine Meinung darüber gebildet, über die Frage, inwieweit es klug sein könnte, die Windkraft zu nutzen? Könnte es sinnvoll sein, sich einmal darüber zu informieren, was es ratsam erscheinen lässt, die Frage «Windkraft ja oder nein» nochmals zu überdenken? Sei tapfer und lies dieses Fakten hier mal durch.
Die bekannten Argumente betreffend Windkraftwerke lassen sich in
- ökologische,
- technische,
- wirtschaftliche und
- gesellschaftliche Punkte einteilen.
Wichtig ist dabei: Manche Einwände sind gut belegt, andere hängen stark vom Standort ab oder werden in der öffentlichen Diskussion je nach bereits gemachter Meinung ideologisch eingefärbt, im Brustton der Überzeugung dargestellt.
- Unregelmässige Stromproduktion: Windkraft produziert nur bei geeigneten Windverhältnissen. Bei Flaute fällt die Leistung stark ab; deshalb braucht ein Stromsystem Speicher, flexible Kraftwerke, Importe oder andere regelbare Energiequellen.
- Geringere Auslastung als konventionelle Kraftwerke: Die Nennleistung eines Windparks entspricht nicht seiner durchschnittlichen Produktion. Entscheidend ist der Kapazitätsfaktor. Gerade ein wenig windreicher Standort kann wirtschaftlich deutlich schlechter abschneiden.
- Netzausbau und Systemkosten: Neue Windparks können zusätzliche Leitungen, Transformatoren, Netzregelung und gegebenenfalls Speicher erforderlich machen. Kritiker argumentieren deshalb, man dürfe nicht nur die Erzeugungskosten pro kWh betrachten.
- Landschaftsbild: Moderne Anlagen sind häufig 200 Meter und höher. Sie sind über grosse Entfernungen sichtbar und verändern insbesondere Berg-, Jura- und offene Kulturlandschaften erheblich.
- Lärm: Windanlagen erzeugen aerodynamische und mechanische Geräusche. Die Belastung nimmt mit der Entfernung stark ab, kann aber für Anwohner je nach Standort relevant sein.
- Schattenwurf: Die rotierenden Rotorblätter können bei tief stehender Sonne periodischen Schatten erzeugen. Das lässt sich durch Standortplanung und zeitweise Abschaltung begrenzen.
- Vögel und Fledermäuse: Kollisionen mit Rotoren kommen vor. Besonders problematisch können Anlagen an Zugrouten, Brutgebieten oder Standorten mit hoher Fledermausaktivität sein. Die Auswirkungen unterscheiden sich stark nach Standort und Art.
- Eingriffe in Natur und Boden: Nicht nur das Windrad selbst zählt. Zufahrtsstrassen, Kranplätze, Fundamente und Stromleitungen können Lebensräume beeinträchtigen. In Wald- und Berggebieten wird dieser Punkt besonders diskutiert.
- Materialverbrauch und Entsorgung: Windanlagen benötigen grosse Mengen Beton, Stahl, Kupfer und teilweise seltenere Rohstoffe. Rotorblätter aus Verbundwerkstoffen sind schwieriger zu recyceln, auch wenn sich die Recyclingverfahren weiterentwickeln. Gegenwärtig ist es so, dass die Flügel (die Rotoren) die einer starken Abrasion unterliegen (Abrieb des Kunstoffes) der gewaltigen Flügel, zur Entsorgung vergraben werden müssen, Lebensdauer: Ganze 20 Jahre.
- Wirtschaftlichkeit und Subventionen: Kritiker bemängeln Fördergelder und garantierte Vergütungen und fragen, ob bestimmte Anlagen ohne staatliche Unterstützung gebaut würden. Allerdings: auch andere Energieformen werden direkt oder indirekt staatlich unterstützt.
- Kurze Lebensdauer gegenüber Wasserkraft: Windanlagen werden typischerweise für 2 Jahrzehnte ausgelegt (was die beherzten Befürworter tunlichst verschweigen, obwohl sie das wissen. Schweizer Wasserkraftwerke und Stauanlagen können dagegen mit Erneuerungen sehr viel länger genutzt werden.
- Akzeptanzproblem: Der Nutzen – Strom für das Gesamtsystem – ist grossräumig verteilt, während Landschaftsveränderung, Lärm und Bauarbeiten vor allem die Standortgemeinden treffen. Daraus entsteht häufig lokaler, gesunder Widerstand und/oder die Demokratie wird von den Machthabern ausgehebelt.
- Winterstrom ist ein Vorteil, aber keine Garantie: Für die Schweiz ist Windkraft bedingt interessant, weil sie tendenziell einen allerdings sehr geringen Anteil im Winter liefern kann. Trotzdem kann sie eine mehrtägige windarme Periode niemals allein absichern.
- Google mal das Wort "Infraschall". Die Windräder verursachen diesen nicht hörbaren Infraschall, der den menschlichen Körper schädigt. Infraschall ist eine extrem tiefe Frequenz, unter 20 Hertz. Dieser entsteht vor allem dann, wenn die Rotorblätter am Turm der Anlage vorbeistreichen und die Luft kurz komprimieren. Aber hochinteressant, die Google-Fritzen gehören zum Mainstream und behaupten entgegen Fachärzten, die das Thema untersucht haben, dieser Infraschall sei nicht schädlich. Schlafstörungen und Kopfschmerzen als Folge sind für Google nichtexistent.
Für die Schweiz ist die entscheidende Frage deshalb nicht nur „Windkraft ja oder nein?“, sondern auch, wenn das die Mehrheitsverhältnisse (sofern die Demokratie nicht obrigkeitlich gesteuert, nicht ausgeschaltet wird) erfordern: An welchen Standorten ist der zusätzliche Winterstrom gross genug, um Landschaftseingriff, Naturbelastung, Kosten und Netzausbau zu rechtfertigen?
Wenn man die Debatte speziell auf die Schweiz bezieht, halte ich diese zehn Einwände für die wichtigsten. Dabei trenne ich zwischen einem berechtigten Gegenargument und der Frage, ob es Windkraft grundsätzlich ausschliesst.
- Relativ kleiner Beitrag zur gesamten Schweizer Stromversorgung. Selbst der Bund geht bei den derzeit bekannten bestehenden, genehmigten und geplanten Projekten von rund 2,4 TWh Jahresproduktion aus. Zum Vergleich: Der Schweizer Stromverbrauch liegt in einer Grössenordnung von rund 55–60 TWh jährlich. Windkraft kann also beitragen, wird aber auf absehbare Zeit keine tragende Säule wie die Wasserkraft.
- Dafür sind die Anlagen landschaftlich sehr dominant. Moderne Anlagen erreichen mit Rotoren Gesamthöhen von über 200 Metern. In der kleinräumigen Schweizer Landschaft können sie deshalb über viele Kilometer sichtbar sein. Selbst Pro Natura, die Windenergie nicht grundsätzlich ablehnt, verlangt eine starke Konzentration auf geeignete Standorte.
- Erschliessungsstrassen werden häufig unterschätzt. Für Bau, Schwertransporte und Wartung braucht es Zufahrten und grosse Arbeitsflächen. Gerade auf Jurahöhen, in Wäldern oder bisher wenig erschlossenen Gebieten kann der Eingriff erheblich sein. Pro Natura fordert deshalb, möglichst keine neuen dauerhaften Erschliessungen für Windparks anzulegen.
- Vögel und Fledermäuse sind ein reales Problem. Es geht nicht nur um getötete Tiere, sondern auch um die Beeinträchtigung von Lebensräumen. Besonders ungünstig sind Zugrouten und Gebiete mit hoher Vogel- oder Fledermausaktivität. Deshalb ist die Standortwahl entscheidend.
- Windstrom ist nicht bedarfsgerecht steuerbar. Ein Windrad produziert, wenn Wind vorhanden ist – nicht zwingend dann, wenn die Schweiz besonders viel Strom benötigt. Windkraft ersetzt deshalb nicht automatisch Speicherwasserkraft oder andere regelbare Leistung.
- Allerdings hat die Schweizer Windkraft einen wichtigen Vorteil: Winterstrom. Dies muss man einem fairen Gegenargument entgegenhalten. Bei den derzeit bekannten Projekten rechnet der Bund mit 1,6 TWh Winterproduktion bei 2,4 TWh Jahresproduktion. Rund zwei Drittel würden also im Winterhalbjahr anfallen. Das macht Schweizer Windkraft energetisch interessanter, als die geringe Jahresproduktion zunächst vermuten lässt.
- Windkraft wird staatlich gefördert. Seit 2025 können Betreiber zwischen Investitionsbeitrag und gleitender Marktprämie wählen. Zusätzlich kann der Bund bis zu 40 % der anrechenbaren Projektierungskosten übernehmen. Das berechtigte wirtschaftliche Argument lautet daher: Wäre ein bestimmter Windpark auch ohne Förderung rentabel? Allerdings werden auch Wasserkraft und Photovoltaik staatlich gefördert.
- Kosten pro erzeugter kWh allein reichen als Vergleich nicht. Man müsste zusätzlich Netzanschluss, Leitungen, Regelenergie, zeitweise Überproduktion und die Absicherung windarmer Zeiten berücksichtigen. Für den Netzanschluss eines Windprojekts ist beispielsweise ein eigenes Plangenehmigungsverfahren erforderlich.
- Konflikt zwischen nationalem Interesse und lokaler Mitsprache. Dieser Punkt ist in der Schweiz inzwischen besonders interessant: Seit 1. April 2026 gelten für grosse Anlagen beschleunigte Verfahren, das heisst, der Stimmbürger wird kaltscheuzig ausgeschaltet. Für Wind- und Solaranlagen von nationalem Interesse werden kantonale und bisher kommunale Bewilligungen in einem konzentrierten Verfahren zusammengeführt; auch der Rechtsmittelweg wurde verkürzt. Wache Kritiker mit gutem Informationsstand und hohem politischem Bewusstsein müssen darin eine Schwächung lokaler Einflussmöglichkeiten sehen.
- Die entscheidende Frage ist der Ertrag eines konkreten Standortes. Eine moderne Anlage kann laut Pro Natura je nach Standort bis etwa 10 GWh pro Jahr erzeugen. Das „je nach Standort“ ist entscheidend: Ein hervorragender Windstandort kann sinnvoll sein, während eine ähnlich grosse Anlage an einem schwachen Standort trotz gleicher Landschaftsbelastung deutlich weniger Strom erzeugt.
Das stärkste Gegenargument für die Schweiz
Ist es verhältnismässig, für einige Terawattstunden zusätzlichen Strom zahlreiche über 200 Meter hohe Anlagen samt Zufahrten und Netzinfrastruktur in Schweizer Landschaften zu errichten, oder lässt sich dieselbe Winterstrommenge mit weniger Eingriff durch Wasserkraft, alpine Photovoltaik, Gebäudesolarenergie, Speicher und Effizienz erreichen?
Für die Schweiz ergibt sich ungefähr folgender Vergleich. Bei den Kosten ist allerdings Vorsicht nötig: Sie unterscheiden sich stark zwischen bestehenden und neuen Anlagen sowie nach Standort; deshalb sind Bandbreiten sinnvoller als eine einzelne Zahl.
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Kriterium |
Windkraft |
Photovoltaik |
Wasserkraft |
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Strom im Winter |
gut – |
Mittelland eher schwach; alpine PV deutlich besser |
sehr gut, besonders Speicherwerke |
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Produktion steuerbar? |
❌ Nein |
❌ Nein |
✅ Speicherwerke ja |
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Speicherfähigkeit |
❌ keine eigene |
❌ keine eigene |
✅ grosser Vorteil |
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Stromproduktion CH heute |
sehr gering, ca. 0,2 TWh (2023) |
stark zunehmend |
ca. 37,2 TWh/Jahr |
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Landschaftseingriff |
sehr hoch, weithin sichtbar und Grundwasserspiegel absenkend, Walvernichtend in Fussbalfeldgrösse |
Dächer: gering; alpine Anlagen: erheblich |
bei Neubauten teilweise sehr hoch |
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Flächenbedarf |
Fussballfeld-Grösse inkl Zufahrt |
Dächer sehr günstig; Freiflächen benötigen Fläche |
Stauseen beanspruchen grosse Gebiete |
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Vögel/Fledermäuse |
grosses Standortproblem, tödlich für diese Tiere |
vergleichsweise gering |
Eingriffe in Gewässerökologie |
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Materialaufwand |
viel Stahl, Beton, Verbundstoffe |
Glas, Aluminium, Silizium etc. |
sehr viel Beton bei Neubauten |
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Lebensdauer |
typischerweise um die 20 Jahre |
etwa 25–35+ Jahre |
oft viele Jahrzehnte, teils >100 Jahre |
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Netzstabilität |
zusätzliche Regelung nötig |
zusätzliche Regelung nötig |
Speicher-/Pumpspeicher sehr wertvoll |
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Ausbaugeschwindigkeit |
Bewilligung/Einsprachen können bremsen, diese werden behördlich ausgebremst, vorbei an der Demokratie |
Dach-PV relativ schnell |
neue Grossanlagen langwierig |
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Schweizer Stärke |
eher Winterproduktion |
riesige vorhandene Dachflächen |
Topographie + bestehende Infrastruktur |
Der Bundesrat geht von einem theoretischen Schweizer Windpotenzial von 30 TWh jährlich aus, davon etwa 20 TWh im Winterhalbjahr. Die tatsächliche Windproduktion lag 2023 dagegen erst bei ungefähr 0,2 TWh. Was sagen wir dazu? ist das eine krasse Lüge, oder einfach ein Fehlerli? Wie wir alle wissen, kommen aus dem Bundeshaus immer mal wieder grundfalsche Zahlen, die dann Jahre später korrigiert werden müssen. Wir haben es nicht selten mit unverblümten Beamtenfehlern und - Fälschungen zu tun. Und pfiffige Journis werden aussortiert. Deshalb beschäftigt der Bund seinerseits um die 400 teure Beamte im Pressewesen, um uns still zu halten.
Photovoltaik hat das umgekehrte saisonale Problem: Auf einem normalen Dach im Mittelland fällt ein grosser Teil der Produktion im Sommer an. Alpine PV kann dagegen im Winter pro installiertem Kilowatt zwei- bis dreimal so viel erzeugen wie eine vergleichbare Anlage im Mittelland. Dafür sind alpine Anlagen teurer und können ebenfalls erhebliche Natur- und Landschaftskonflikte verursachen.
Warum die Wasserkraft eine Sonderstellung hat
Die Schweiz besitzt bereits 706 Wasserkraftzentralen mit einer erwarteten mittleren Jahresproduktion von rund 37,2 TWh. Wasserkraft liefert damit rund 58,5 % der schweizerischen Stromproduktion im Zehnjahresmittel.
Noch wichtiger ist etwas, was beim blossen Vergleich von Kilowattstunden leicht verloren geht: Speicherwasserkraft produziert Strom dann, wenn man ihn braucht.
Wind und Sonne produzieren dagegen wetterabhängig. Das BFE bezeichnet Speicheranlagen ausdrücklich als wichtig für die kurzfristige Energiebereitstellung und für die Verschiebung von Energie vom Sommer in das Winterhalbjahr.
Das bedeutet beispielsweise:
1 kWh aus einem Speichersee um 19 Uhr an einem kalten, windstillen Januarabend hat für das Stromsystem einen anderen Wert als 1 kWh Solarstrom an einem sonnigen Julimittag.
Man müsste fragen:
Wie viel gesicherter Winterstrom erhält die Schweiz für jeden Franken und für jeden Eingriff in Natur und Landschaft?
Genau dabei hat Windkraft zwei gegensätzliche Eigenschaften: Sie liefert Winterenergie, kann diese Energie aber nicht zuverlässig zu einem bestimmten Zeitpunkt liefern. Speicherwasserkraft kann genau diese Lücke teilweise ausgleichen. Das BFE sieht Wind und Sonne deshalb ausdrücklich in Ergänzung zur speicherbaren Wasserkraft.
Die weitere Frage lautet:
Ist ein bestimmter Schweizer Windpark mit seinen Strassen, Fundamenten, Leitungen und 200-Meter-Anlagen tatsächlich die beste Möglichkeit, zusätzlichen Winterstrom zu gewinnen – oder erzielt man mit Ausbau bestehender Wasserkraft, PV auf vorhandenen Gebäuden und gezielter alpiner Solarenergie mehr Nutzen bei geringerem Landschaftseingriff?