Im Banne der Seelenmechanik - Der Fall in das politische Sektenloch

Im Banne der Seelenmechanik - oder:
Der Fall in das politische Sektenloch

Die Seele ist kein Organ, das wir nötigenfalls mit dem Skalpell reparieren können. Die Seele logiert völlig unsichtbar, aber hochwirksam, unser Verhalten bestimmend, vermutlich in unserem Hirn und vielleicht auch in unseren Muskeln, im Bauch oder gar im Herz.

Wollen wir seelische Vorgänge verstehen oder gar verändern, sind wir auf Metaphern (Vergleiche) angewiesen. Ich wähle dazu die Mechanik. Eine Uhr ist eine Mechanik, ein Wecker ebenso. Und weil ich als Kind immer wieder Wecker und Pendeluhren mit grossen Zahnrädern auseinandergenommen habe, um ihr Funktionieren zu verstehen und zu be-greifen, steht mir diese Mechanik der ineinandergreifenden Zahnräder verschiedenster Grössen nahe.

Die Seele kann ich mir auch als ein Ineinandergreifen verschiedener Zahnräder vorstellen, angetrieben von der göttlichen Kraft, die uns Leben eingehaucht hat und diese Seele, unser Wecker gewissermassen, am Laufen hält, unsere Gedanken transportierend und verarbeitend. Und manchmal kommt es anderen vor, als ob wir eine Schraube locker hätten – wie man oftmals auch sagt – oder unser Getriebe lahmt. Es fehlt ihm an Antriebskraft, oder eine Räderwerkgruppe beginnt ein Eigenleben, läuft dem Hauptwerk zuwider, oder noch schlimmer: blockiert das System.

In  diesem Gesamtgetriebe wirkt auch eine kleine Dunkelkammer. Da werden einige Räder, bestimmte Gedanken transportierend, gebremst, um diese durch einen fix programmierten Filter zu stossen, die "unpassenden" Gedanken hinabfallend, in einen Kellerraum. Mit dem Ergebnis, dass alle offenherzigen, liberalen, veränderungsfreudigen Gedanken, die diesem Fall ausgesetzt sind, nie mehr als freie, lockere, leichtfüssige Wesen auftauchen dürfen.

Um beim Bild zu bleiben:
Fallen neue, andere, bisher nicht bekannte Erkenntnisse zu einem ganz bestimmten Thema (zum Beispiel der Religion) als neue Informationen  in dieses Verliess, werden sie als freie, verwandelbare, wachsende Gedanken nie mehr auftauchen. Sie bleiben unveränderbar als verhärtete Brocken, in diesem Gemäuer liegen. Und es ist ungewiss, inwiefern sie den ganzen rotierenden Mechanismus zu beeinflussen vermögen. Schlimmer noch, alles was neu an Impulsen aus einem bestimmten Themenbereich (wie erwähnt, zum Beispiel der Religion) in diese Person hineinströmt und ihre Seele und somit auch diese Dunkelkammer durchläuft, wird gezwungen werden, an diesem geheimnisvoll programmierten Filter vorbei zukommen, und diese unbearbeiteten, offenen Impulse werden diesem Wandlungsprozess zugeführt. Somit müssen wir davon ausgehen, dass dieser erwähnte Filter aussortiert, was wir in einem bestimmten Themenbereich wahrnehmen. Denn dieser Filter lässt nur das durch, was diesem innewohnenden Programm zu entsprechen vermag, was diesem genehm ist, mit ihm in seiner Intention und seinem Programm übereinstimmt. Das Programm ist somit der entscheidende Punkt. 

Zugegeben, ein bisschen abstruses Gedankengut
Deshalb: Machen wir einen Erklärungsversuch betreffend die Menschen, die zum Beispiel bisher als lauwarm religiöse Wesen, der katholischen oder meist der evangelischen Kirche entlaufen, durch spontane Begegnungen oder bestehende Kontakte und Beziehungen in eine religiöse Gemeinschaft Eingang gefunden haben. Dazu fallen mir folgende Namen solcher religiös streng ausgerichteter gemeinschaftlichen Institutionen ein: Pfingstgemeinde. Evangelisch-methodistische Kirche, Neuapostolen, Mormonen, Zeugen Jehovas und andere.

Diesen Religiösen Gemeinschaften ist gemein, dass sie in ihrem religiösen Zusammenwirken die Bibel wörtlich nehmen (den Fundamentalismus lebend) und über deren Inhalt keine abweichende Meinung zulassen. Andernfalls würden sie der Zuneigung der religiösen Gruppen, in denen eine nahe mitmenschliche Begegnung üblich ist, verloren gehen.

Kein Darwin
Charles Darwin, 1809 – 1882,  mit seiner Evolutionslehre, wonach sich die Lebewesen und deren Vielfalt während vieler Millionen von Jahren aus dem Einzeller entwickelt haben und wir somit letztlich vom Affen abstammen, lehnen sie voller Überzeugung ab. Für sie ist die Schöpfungsgeschichte, wie im Alten Testament, dem jüdischen Buch, das auch unsere Bibel ist, genau beschrieben. Für sie stimmt auch die Geschichte mit der Vertreibung aus dem Paradies und das Erschaffen der Welt in sieben Tagen durch Gott.

In Anbetracht des inzwischen entdeckten riesigen, unendlichen Universums kaum zu glauben, aber diese Mitmenschen glauben an das Alte Testament. (Wobei anzunehmen ist, dass auch unsere urgeschichtlichen Vorfahren sinnierend in unser weites Firmament geschaut haben).

Dennoch, daran erinnert sei: Glauben bedeutet, nicht wissen. Und damals, vor 3’000 oder gar 5'000 Jahren wusste man über das, was uns die Naturwissenschaften inzwischen nähergebracht haben, noch herzlich wenig. Obwohl die Ägypter vor 3'000 Jahren vermutlich bereits viel mehr wussten, als was uns heute davon bekannt ist. Da werden wir noch weitere Erkenntnisse finden und noch mehr zu staunen haben. Aber in der Bibel stehen Erklärungsversuche aus der damaligen Zeit der Urgeschichte. Das ist die Zeitperiode, die von der Herstellung der Steinwerkzeuge bis zum Auftreten von schriftlichen Zeugnissen reicht. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Urgeschichte in die erwähnte Steinzeit, die Kupferzeit, die Broncezeit und die Eisenzeit (1000 v.Chr.) eingeteilt wird.

Da ist zum Beispiel auch von Dämonen die Rede. Von Menschen, die von Dämonen besessen sind. Klar doch, die Psychiatrie ist eine junge Wissenschaft und hat erst zu Beginn vom zwanzigsten Jahrhundert Bedeutung erlangt. Von «Dämonen Besessene» werden heute, sie als krank erkennend, in psychiatrischen Kliniken behandelt.

Zusammenfassend
Da haben wir also die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir anerkennen. Und andererseits unsere Freunde, die das, was in der Bibel steht, glauben, und wir haben das Jahr 2025. Da erleben wir nun, dass Menschen, die dieselben Schulen wie wir durchlaufen haben. Die aber das als Tatsache anerkennen und daran glauben, was in der 3'000 Jahre alten Bibel – als «Wort Gottes» und somit unverrückbar als alleinrichtig religions-obrigkeitlich deklariert - steht und nicht an das, was aktuelle naturwissenschaftliche Erkenntnisse uns vermitteln.

Denken wir nun an die «Dunkelkammer und den darunterliegenden Keller» und den darüber funktionierenden Filter  in unserer Seele, dann erkennen wir, dass dieser religiös motivierte Glauben diesen Filter durchläuft, diesen inhaltlich religiös programmiert und nur das durchlässt, was seinem Programm, in diesem Fall «der Glaube an die wörtliche Übernahme der Bibel» im Alten Testament betrifft. Daran gibt es nichts zu rütteln. Diese unsere Mitmenschen glauben an diesen Inhalt und so ist es und so wird es bleiben.

Aber ich wage noch den Hinweis von Einstein: Der sagte vor mehr als 80 Jahren – so wird kolportiert: «Noch schwieriger, als ein Atom zu zertrümmern ist das Zertrümmern eines Vorurteils».

Es gibt auch die Politsektierer
In diese Sektenfalle, dieses erwähnte Kellerloch von unserem seelischen Räderwerk fallen mitunter auch Mitmenschen unter uns, die am gegenwärtigen politischen System verzweifeln, unerfreuliche Erlebnisse sammelten und konkret erlebten und dringend einer Änderung entgegenfiebern. Oftmals aus Verzweiflung ausrufen, schimpfen und voller Überzeugung vehement postulieren: «Der ganze Scheiss, dieses satanische Werk  muss vollständig zusammenbrechen.»

Wenn wir ihnen begegnen und sie sind gerade wiederum dabei behauptend, das gegenwärtige System müsse gänzlich verschwinden (ohne uns erklären zu können, was genau dann folgen solle und wer das neue System mit welchen Mitteln wie aufbaue), geprägt vom Gelddenken, der Machtausübung der Behörden, dem Konsumwahn, der Naturzerstörung, der Verlogenheit der Politik und der Lobby-beinflussten Parlamentarier in heftigen Worten zu beschreiben, (dem wir in ihrer Anlayse beipflichten können) dann, ja was bleibt uns dann?

Wir können uns in die Erklärung der Sektenfalle begeben und wir könnten versuchen, ihre emotionalen Ausbrüche in rationale Gedanken und Informationen zu lenken.

Funktioniert allerdings nicht, oder nur gering und nicht fundiert. Ihre Analyse bzw. der fehlende Lösungsansatz sind kaum vernehmbar, eher nicht rational begründet, oder nur zum Teil. Ihre Analyse hat den dunkeln Filter durchlaufen und wir können mit unseren Argumenten nichts, oder kaum etwas ausrichten. Alles allenfalls nur millimeterweise.

Fazit
Unsere gesellschaftliche Analyse mag grösstenteils mit derjenigen unserer oben erwähnten Mitmenschen mit aktivem Sektenfilter entsprechen. Allerdings verfolgen wir einen deutlich anderen Lösungsansatz bzw. wir bemühen uns, Lösungsansätze zu finden. Bevor wir bestehende Strukturen zerstören (wenn überhaupt), möchten wir ein tragfähiges, allgemein anerkanntes Ersatzgebilde zumindest als realisierbares Neukonzept kurz vor dessen Realisierung bereithalten. Wir sind gegen blindwütige Zerstörung ohne auch nur den leisen Schimmer, wie das Neue entstehen soll, aufzuweisen.

So stehen wir aber vor einem Dilemma: Sie, die politisch Sektengefilterten wollen uns bekehren und wir würden gerne erleben, dass sie uns zustimmen.

Wir, die

  • in sozialen Strukturen denken,
  • das historisch gewachsene politische Gebilde einigermassen verstehen, und
  • in groben Zügen zumindest erkennen,
  • wo was zu ändern wäre und zum Teil
  • daran glauben, dass wir
  • in unserer Demokratie Änderungen herbeiführen können und
  • hoffen, Mehrheiten schaffen zu können.

Und das alles mit Mitmenschen, die bereit sind, ihr Bewusstsein in politischer Hinsicht, und somit auch ihre Lebenstechnik ständig zu entwickeln und zu hinterfragen. Sektengeplagte brauchen sich nicht mehr zu fragen, sie haben apodiktisch die Lösung. (Fix und wir nix).

Das bedeutet, wir haben Einigkeit mit Andersdenkenden (aber in gleicher Richtung verlaufend denkenden) Mitmenschen anzustreben, selbst dann, wenn sie sektiererisch auftreten. Und wir haben sie nicht zu bekehren, weil absolut chancenlos.

Wir haben zu versuchen, unseren naturwissenschaftlichen und vor allem unseren soziologischen, sozialpsychologischen und politischen Erkenntnissen folgend, konkrete Lösungsvorschläge in akzeptierbaren Happen vorzubereiten.

Und somit besteht die Möglichkeit, Mitdenkende und Mitbewegende zu finden. – Losgelöst vom Sektenloch, diesem sich entwindend, einander findend.

 

Bestandteile einer Sekte bzw. einer Gruppe mit sektiererischer Grundhaltung

  • Die Führung ist hierarchisch, meist dogmatisch (Grundsätze einhaltend, die nicht diskutiert, sondern als Fix behandelt werden) bestimmt, mit eher autoritärer Haltung, also inhaltlich keinen Widerspruch duldend. Entscheidungen erfolgen von «oben».
  • Es besteht eine gewisse Kontrolle, die Mitglieder werden psychologisch beeinflusst, im Extremfall indoktriniert (Kontrolle über Denken, Verhalten, Gefühle und soziale Kontakte).
  • Nicht selten Abgrenzung von der Aussenwelt, Trennung von der Familie, Freunden oder der Gesellschaft ausserhalb der Gruppe. Die Gruppe wird als einzig richtige Gemeinschaft dargestellt.
  • Individuelle Entscheidungen werden eingeschränkt, was z.B. Berufswahl, Partnerwahl, Wohnort betreffen kann. Kritik an der Gruppe oder am Leiter kann eine Bestrafung zur Folge haben. (Z.B. moralische Bestrafung durch künftige reduzierte oder ganz ausfallende Beachtung).
  • Die Sekte beansprucht die exklusive Wahrheit, (religiös die Erleuchtung, mit einem Heilsversprechen verbunden, Befreiung von den Sünden),  andere Meinungen oder Überzeugungen werden als falsch oder als gefährlich dargestellt.
  • Emotionaler Druck, Schuldgefühle hervorrufend oder Ängste auslösend, was als als Druckmittel eingesetzt wird. Es werden Versprechungen gemacht: Heilung, Glück oder Rettung, um den Gehorsam zu bewirken.
  • Es wird finanzielle, soziale oder emotionale Abhängigkeiten, oder alles zusammen erzeugt. Ein Austritt kann in der Regel oftmals nur mit nachfolgenden Sanktionen, Scham oder Isolation erfolgen.
  • Der Gruppenzusammenhalt wird stark betont, durch Gemeinschaftsrituale oder einer gemeinsamen Ideologie, die immer wieder betont wird. Die Loyalität zur Gruppe steht über der persönlichen Bindung.
  • Fazit: Eine Sekte ist oft erkennbar an starker Kontrolle, exklusivem Wahrheitsanspruch, Abgrenzung von Aussenstehenden und einer Autoritätsfixierung.