Behörden als unsere Gegner: Weitere Beweise
Behörden als Gegner zu bezeichnen, mag manchem Lesenden sauer aufstossen,
wurden wir doch anders erzogen. Meine Eltern hatten Respekt vor Behörden, über sie wurde nie geredet, und wenn ein behördliches Problem auftauchte, wurde demütig gefragt, was zu tun sei, es wurde gelächelt und nur freundlich geredet. So etwas färbt ab. Aber im Laufe der Jahre machte ich meine Beobachtungen und es kamen Gedanken, die der effektiven Wirklichkeit – Wirklichkeit ist immer effektiv, aber wir wollen ja nicht in die Philosophie abgleiten – eher entsprachen. Allerdings sind diese Gedanken derzeit noch kaum mehrheitsfähig. Noch haben die Wenigsten gemerkt, dass die Behörden nur zum geringen Teil auf unserer Seite stehen. Sie stehen auf der Seite der Gesetzesflut, ein Stapel Papier, der kantonal gesehen, 35 cm hoch ist und die Behörden schützt und ihnen vorgibt, wie sie sich gegen Bürgeransinnen zu wehren haben, wie Bürger mit ihren Anfragen auf den dienstlichen Weg zu schicken sind, auf dass sie resignieren und nicht mehr auftauchen am Schalter im Gemeindehaus. Das einige Bemerkungen zum Thema «Gegner».
Hinzufügen könnte man noch, damit keine Missverständnisse entstehen: Auch als Fussballer haben wir Gegner, und das sind unsere Sportsfreunde, keine Feinde, mit ihnen duellieren wir uns als Gruppe. Und nach dem Spiel sitzen wir zusammen und trinken ein Bier und lachen zusammen ob unserer Erinnerungen. So ist dieser Begriff «Gegner « auch hier zu verstehen: Alles ist möglich, das freundschaftlich Spielerische bis hin zur verbissenen Auseinandersetzung vor dem Verwaltungsgericht.
Die Rede ist hier von behördlichem Verhalten im Zusammenhang vom schrecklichen Ereignis vom 1. Januar 2026 in den frühen Morgenstunden in Crans-Montana oberhalb von Sierre im Kanton Wallis. 200 – vielleicht 300 meist junge Leute, kamen unter anderen auch durch eine Nebentüre in die Bar «Le Constellation». Eintritt pro Person: je 150 Franken wobei einige der ganz Jungen ab 14 J.! (offenbar mit grossem Taschengeld von zuhause aus abgespiesen worden sind).
40 Besucher verbrannten, weil die leicht brennbare Schallisolation an der Decke mit brennenden vulkanartigen Wunderkerzen (Sprühkerzen), die an Champagnerflaschen angebracht worden sind, in Berührung kam. Gas bildete sich und es kam zum sogenannten Flashover (auf Deutsch Durchzündung oder Raumdurchzündung) mit explosionsartiger Brandausbreitung mit einer Temperatur bis zu 600 Grad, andere Quellen reden von 1'000 Grad. 116 weitere Personen wurden durch grossflächige Brandwunden schwer verletzt, nicht zuletzt auch deshalb, weil ein Notausgang verschlossen und eine Treppe von ursprünglich 2.20m Breite wurde vor 15 Jaren auf eine Breite von 1.37 verengt. Folge: 34 der 40 Todesopfer wurden am Treppenaufgang gefunden. Offenbar konnten sie im Stau nicht rechtzeitig fliehen. Die Brandverletzten müssen nun monatelang im Spital, in einer Spezialklinik liegen und lebenslang Schmerzen erleiden und eine körperliche Verunstaltung auf sich nehmen..
Über die ganze Tragik und die nachfolgende Trauer und dem breiten Mitgefühl kam alsbald die Schuldfrage auf. In den Fokus gelangten sofort das aus Korsika stammende Besitzerpaar und die Gemeindebehörden. Im Laufe der folgenden Tage wurde deutlich, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Gebäudekontrollen in den vergangen 15 Jahren in dieser Bar lediglich drei Mal, statt jährlich durchgeführt worden sind. Recherchierende Journalisten (das gibt es eben auch noch) fanden alsbald heraus, dass diese Kontrollen im ganzen Kanton und auch anderswo in der Schweiz nicht regelmässig durchgeführt werden. Bleibt auch noch speziell hier die Frage, weshalb nicht bereits anlässlich der ersten Kontrolle nach dem Umbau der Bar im Jahre 2015 die dürftige Schallisolation aberkannt worden ist.
Fazit:
«Schlacksige», gesetzeswidrige Kontrollen und verfehlte Aufsichtspflicht.
Als aber der Gemeindepräsident Nicolas Féraud, der in einem Jeep mit einem Sheriff-Stern darauf umherkurvt, gefragt worden ist, wie es zu diesen Verstössen gekommen sei, wurde der fragende Journalist angeblafft mit den Worten des Gemeindepräsidenten: «Mein Anstand verbietet es mir, Ihnen so zu antworten, wie es sich gehörte», und entfernte sich. Ergo: Behördliches Verhalten zu hinterfragen mag er nicht.
Dieser Mann machte dann an einer der folgenden Pressekonferenzen noch einige andere unpassende Aussagen. So zum Beispiel sagte er, dass die Hauptleidende die Gemeinde sei, sie sei am meisten betroffen in der Katastrophe, vor allen anderen. Einen italienischen Journalisten massregelte er damit: an der Pressekonferenz werde nur französisch gesprochen. Denkwürdige Sätze, während 40 junge Menschen in Särgen liegen. Er sorgte sich, Crans-Montana, der mondäne Skiort für sehr habliche Touristen käme in Verruf. Das war dann ein «Schluck zu viel», fortan trat die Vize-Gemeinde-Präsidentin Nicole Bonvin auf und fand an der anberaumten (landesweiten) Trauerfeier im Tagungszentrum in Martigny vor 1'000 Leuten passendere Worte und hernach sogar endlich eine Bitte um Entschuldigung. Politische Vertreter aus 32 Staaten kamen herangereist.
Am Sonntag darauf, am 10.1.26 erschienen weitere Pressebeiträge zum Thema in der Sonntagspresse. Die NZZ am Sonntag zitierte eine Historikerin aus dem Wallis und auch die Sonntagzeitung liess sie zu Wort kommen. Ein nachträglicher Anruf bei ihr hat ergeben, dass sie nicht speziell über das behördliche Verhalten geschrieben habe, dazu also von ihr kein Text darüber vorliege. Sie hätte aber ein Buch mit dem Titel «Mattmark» herausgegeben.
Dazu eine verkürzte Beschreibung
(Zusammengetragen durch die KI): Das Unglück von Mattmark (1965)
Am 30. August 1965 ereignete sich beim Bau der Staumauer Mattmark im Saastal (Kanton Wallis) eine der schwersten Katastrophen der Schweizer Industriegeschichte.
Gegen 17:15 Uhr brach ein grosser Teil des Allalingletschers oberhalb der Baustelle ab.
Eine Eis- und Schuttlawine von rund 1,5–2 Millionen Kubikmetern stürzte mit grosser Geschwindigkeit ins Tal und begrub die Baracken der Bauarbeiter sowie Teile der Baustelle.
Todesopfer: 88 Arbeiter, davon: 56 Italiener, 23 Schweizer, 4 Spanier, 4 Deutsche, 1 Österreicher. Viele Opfer wurden nie vollständig geborgen.
Unmittelbare Ursache
Der Abbruch des Allalingletschers war ein sogenannter Gletschersturz.
Der betroffene Gletscherteil war: stark geneigt (über 30°), auf glattem Felsgrund gelagert und durch Schmelzwasser instabil.
Solche Gletscher gelten als potenziell absturzgefährdet.
Vorzeichen und Warnungen
Bereits vor 1965 gab es: wissenschaftliche Gutachten, die auf die Gefahr hinwiesen, Beobachtungen von Rissen und Bewegungen im Gletscher und interne Diskussionen über eine mögliche Räumung der Baustelle. Mehrere Fachleute hatten gewarnt, dass ein Gletscherabbruch möglich sei.
Trotzdem wurden die Baracken direkt im Gefahrenbereich belassen, gab es keinen Evakuationsplan und der Bau wurde ohne Unterbruch fortgesetzt.
Tiefere Ursachen
Zeitdruck beim Bau des Kraftwerks
- wirtschaftliche Interessen (hohe Baukosten, Terminpläne)
- Unterschätzung naturbedingter Risiken
- fehlende gesetzliche Regeln zur Naturgefahrenprävention bei Grossbaustellen
- geringe Sicherheitsrechte für ausländische Gastarbeiter
Strafrechtliche und rechtliche Folgen
Nach dem Unglück kam es zu einem grossen Strafverfahren gegen: Bauleiter, Ingenieure und Verantwortliche der Bauherrschaft
Ergebnis, erst 1972, gegen 7 Jahre später: Alle Angeklagten wurden freigesprochen
Begründung: Der Gletschersturz wurde rechtlich als „unvorhersehbares Naturereignis“ eingestuft. Die Gerichte verneinten eine strafrechtliche Fahrlässigkeit. Dieser Entscheid war und ist hoch umstritten.
Zivilrechtliche Folgen
- Die Angehörigen erhielten Entschädigungen, aber: oft erst nach langen Verfahren, teilweise als Vergleich, in vielen Fällen als ungenügend empfunden. Vor allem die Familien der ausländischen Opfer fühlten sich benachteiligt.
Politische und gesellschaftliche Folgen
Sicherheit und Naturgefahren. Das Unglück führte langfristig zu: besserer Gletscher- und Lawinenüberwachung, systematischer Naturgefahrenkartierung, höheren Sicherheitsstandards bei Grossbaustellen, später auch zu Evakuationskonzepten bei alpinen Projekten.
Arbeits- und Migrationspolitik
Mattmark wurde zu einem Symbol für: die schlechte Stellung ausländischer Arbeitskräfte, fehlenden Arbeitnehmerschutz, soziale Ungleichbehandlung. Das Unglück trug mit dazu bei, dass: Sicherheitsrechte von Arbeitern gestärkt wurden und Fragen der Arbeitgeberverantwortung neu diskutiert wurden.
Historische Bedeutung
Das Unglück von Mattmark gilt heute als: Industriekatastrophe, Mahnmal für ignorierte Naturgefahren, Beispiel dafür, wie ökonomischer Druck Sicherheit verdrängen kann, und gilt als Wendepunkt im Umgang mit alpinen Grossprojekten. In der Schweiz hat kaum ein anderes Bauunglück die Diskussion über Verantwortung, Risiko und Gerechtigkeit so nachhaltig geprägt.
Beifügung
Nachdem Jahrzehnte später die Schonfrist abgelaufen war und die Akten eingesehen werden durften kam zutage, dass der damalige Gerichtspräsident in Visp für eine unbedingte Verurteilung der Angeklagten war. Er wurde aber von seinen «Kollegen» überstimmt.
Fazit:
Schon damals (1965 bzw. 1972 und in den Folgejahren der jahrelangen peinlichen gerichtlichen Auseinandersetzungen) , oder andauernd haben wir es in kleinen wie in diesen allergrössten tödlichen Unfällen u.a. auch mit krassem Behördenversagen zu tun.
Wie weiter in Crans Montana?
Besagte Historikerin, Elisabeth Joris fand laut Zitaten aus den beiden erwähnten Zeitungen zu hier nachfolgenden Analysen (Zitate in Gänsefüsschen), die weiteren Zitate stammen zum grössten Teil aus der erwähnten Sonntagspresse:
Die Welt hat viele Fragen, Fragen an die Behörden vom Wallis, doch das Wallis antwortet nicht. Es sagt nicht wie es möglich war, dass 40 junge Menschen in einer Bar verbrannten. Warum die Gemeinde das Lokal sechs Jahre lang nicht kontrollierte. Und weshalb der Kanton bzw. dessen Verwaltung als Oberaufsicht nichts davon bemerkte.
Und schon gar nicht beantwortet das Wallis eine Frage, die in der übrigen Schweiz immer lauter wird: Ob die Katastrophe etwas mit dem Wallis selbst zu tun habe. Etwa mit der dortigen politischen Kultur des Kantons, in der Gesetze angeblich nicht viel zählen. Mit einer politischen Elite, in der jeder jeden kennt. Man reagiert im Wallis indigniert (erzürnt oder entrüstet) auf diese Fragen. Spricht von Klischees (eine Redensart, eine unzutreffende Vorstellung, eine falsche Behauptung ) in Unterländer Köpfen, also in den Köpfen der übrigen Deutschschweizer, die sie spöttisch und herablassend auch als «Üsserschwyzer» bezeichnen. Während dessen verärgert der Kanton (Regierung und Verwaltung) Opferfamilien und das Ausland mit einer Strafuntersuchung, bei der laufend Fehler begangen werden.
Doch es gibt Walliser, die genau diese Fragen für berechtigt halten. Etwa die Historikerin Elisabeth Joris, die in Visp aufgewachsen ist. Sie erwähnt
- Politische «Kumpelschaften»,
- Fehlende Kritikfähigkeit
- Behördenversäumnisse,
- Eine gewisse Selbstzufriedenheit
- «Wenn im Wallis etwas passiert, ist die erste Reaktion immer: Kann man das unter den Tisch wischen?»
«Diese Eigenschaften ziehen sich durch die Geschichte des Wallis», so die Historikerin und sie betont, es handle sich dabei nicht um Klischees». In schneller Folge erzählt sie von Beispielen, die sie beobachtet und zum Teil selber erlebt hat. Denn Frau Joris kämpfte in ihren Jugendjahren gegen bestehende gesellschaftliche, patriarchale Verhältnisse im Wallis und wehrte sich gegen bestehende Machtstrukturen. Sie machte auch mit bei einer damaligen Zeitung, die jahrzehntelang Skandale aufdeckte. «Jede Familie hatte im Wallis ihren Platz und ihre Verbindungen», sagt Frau Joris. Das halle bis heute nach.
Behördentrick Nr. 1:
Abtauchen und schweigen
Die NZZ am Sonntag hat anfangs Januar 2026 120 Walliser Gemeinden um Zahlen gefragt, darüber wie viele Brandschutzkontrollen sie in den letzten drei Jahren gesetzlich hätten durchführen müssen. Und wie viele sie tatsächlich durchgeführt haben.
Ergebnis: Die allermeisten Gemeinden wollen die Fragen nicht beantworten und reagierten auf mehrere Mails nicht. Andere sagen nur, man sei im Auftrag des Kantons daran, den Brandschutz zu überprüfen. Lediglich einige wenige kleine Gemeinden antworteten mit konkreten Zahlen. Fazit: Ignoranz und Arroganz lassen grüssen.
Der Gemeindepräsident von Saas – Fee, dessen Gemeinde auf das Vertrauen der Gäste angewiesen ist, will auch auf Nachfrage keine Zahlen nennen. In den Auftritten der Behörden blitzt zwischen tiefer Trauer auch immer wieder ein gewisser Trotz durch, der zur Situation überhaupt nicht passt.
Die Walliser Historikerin Joris erkennt im Verhalten der Behörden seit der Katastrophe ein Muster. Es gebe im Wallis ungeschriebene Regeln «eine davon ist:
- Es wird keine Kritik geduldet, wenn sie von aussen kommt».
Die Kritik werde als pietätlos (ohne Rücksicht auf die Gefühle eines anderen achtend) empfunden und deshalb abgewehrt.
- «Sie wollen verhindern, über die eigentliche Sache und über die Fehler, die gemacht wurden reden zu müssen.
- Das ist ein uralter Mechanismus: Man sieht sich als Opfer der Einmischung».
Gerade die Debatte um den Brandschutz bestätigt ein weiteres Vorurteil,
- Dass Gesetze werden eher nur als Anregung und nicht als zwingende Vorschriften angesehen. Viele Gemeinden haben seit Crans-Montana zugegeben, dass sie Brandschutzkontrollen nicht gesetzeskonform durchführen. Sie machen geltend, dafür zu wenig Geld zu haben.
Das Erschreckende daran ist nicht primär die Feuergefahr, sondern dass Gesetzesverstösse jahrelang niemanden gestört haben. Das bedeutet die lokale politische Elite, die Dorfkönige in den Gemeinderäten haben sich schlicht nie darum gekümmert, obwohl das ihr Auftrag ist bzw. gewesen wäre.
Auch andere Skandale zeigen, dass das von den Behörden immer wieder herangezogene Klischee tendenziell halt doch stimmt. Auffällig viele dieser Geschichten haben mit Gemeindebehörden, Baubewilligungen und Kontrollen zu tun. Mit exakt jenen Bereichen, in denen Crans Montana versagt.
Beispiel: Immobilienaffäre in Verbier
Über Jahre hinweg liessen dort die Gemeindebehörden den Bau teurer Chalets rechtswidrig bewilligen. Um den raumbeschränkenden Vorschriften zu genügen, wurden Wohnräume in den Plänen als Velogaragen eingezeichnet. Von über 1200 Baudossiers wurden bei einer nachträglichen Untersuchung fast 300 (25%) als nicht gesetzeskonform beurteilt.
Dass rechtswidriges behördliches Verhalten oft in der Bauwirtschaft und im Tourismus auftreten, ist für Frau Joris alles andere als ein Zufall. «Das materielle Interesse verbindet. Man will aus den wenigen heimischen Wirtschaftssektoren das Maximum herausholen. Das Geschäft soll florieren. Deshalb lassen die Dorfkönige die Wirtschaftskönige machen und vertuschen», und bleiben dergestalt beliebt.
Nochmals: Schweigen und Verschweigen
Auch eine Diskussion über die politische Kultur wird verhindert. Derzeit steht die Walliser Politik still. Die Parteien sprechen nicht über die Ursachen der Katastrophe. Stattdessen veröffentlichten alle Parteien des französischsprachigen Wallis eine gemeinsame Stellungnahme. In der haben sie sich darauf geeinigt, bis auf weiteres keine Kommentare zum Brand abzugeben.
«Gastrovalais» der mächtige Verband der Walliser Hotels, Restaurants und Bars, hat seine Mitglieder angewiesen, sich im Zusammenhang mit Crans-Montana nicht mehr zu äussern.
Die Wirte sollen lediglich darauf hinweisen, dass Sicherheit ein fester Bestandteil ihres Berufsalltags sei (man denke an die verschlossene Notfalltüre!)
Da fragt sich die Historikerin Joris : »Wird hier das Zusammenstehen als Abwehr gegen kritische Fragen von aussen eingesetzt? Sie spricht davon, dass sich diese Berufsleute gegenseitig kontrollieren, also die Sozialkontrolle anwenden. «Nur allzu oft hat man im Wallis den Mund gehalten, aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung».
Führende Walliser Politiker reagieren genervt bis wütend auf Fragen dazu, wie ihre politische Kultur mit der Brandkatastrophe zusammenhänge. Sie lehnen nur schon ein Gespräch darüber ab. Zitieren lassen sie sich nicht. Selbst kritisch eingestellte Leute sind dazu nicht bereit. Eine öffentlich exponierte Person sagt es klar: »Ich würde mir damit politisch mein eigenes Grab schaufeln».
Doch es gibt Ausnahmen, oder andres gesagt, der Himmel, verborgen hinter dunkeln Wolken zeigt Aufhellungen. Ein 28-jähriger Einheimischer meinte, die Stimmen von aussen hätten recht, die politische Kultur habe zum Unglück beigetragen. «Jeder im Wallis weiss, dass derjenige profitiert, der «die richtigen Leute» kennt». Walliser Gepflogenheiten werden vermehrt kritisch betrachtet.
Aber die Walliser Staatsanwaltschaft scheint das noch nicht ganz kapiert zu haben. Sie verbot den Opferanwälten über die Aussagen des Barbetreibers zu sprechen. Und es folgt gleich die massive Drohung (offenbar dürfen Staatsanwälte drohen, wir dürfen das nicht), würden sie strafrechtlich verfolgt. Dies soll die Untersuchung schützen. Doch dem Image wird die Geheimhaltung nicht helfen. (Text gekürzt und leicht anders formuliert aufgrund dem NZZ-am-Sonntag-Beitrag vom 11. Januar 2026)
Ergänzend soll hier aber beigefügt werden,
dass diese Behördenmentalität betreffend Umgang mit der Baulobby, demnach bestens verbandelt mit den Gemeindebehörden schweizweit funktioniert. Vornehmlich, wo es um grosse Beträge geht, demnach in den weiteren Touristen-Kantonen wie Bern (Berneroberland), Graubünden und Tessin.
Die «Walliser Behördenmentalität» - so mein Eindruck - operiert – soweit ich das überblicken kann – tendenziell und lokal abgestuft in der ganzen Deutschschweiz. (Vom Tessin und der Westschweiz rede ich nicht, weil mir in dieser Hinsicht unbekannt).
Fazit
Es fehlt weniger an bestehenden Gesetzen, sondern an der zuverlässigen Kontrolle und der Aufsicht, die Ausführung zu überwachen bzw. Kontrollen regelmässig durchzuführen. Das wurde durch die Behörden sträflich verschlampt und leichtfertig im Interesse der mächtigen, bestens vernetzten Baulobby inklusive des Immobilienhandels und dem Tourismus als Milchkühe der Staatskasse bewusst vermieden. Eben «unter den Tisch gewischt». Ergo müssen wir Stimmberechtigte intensiver das Behördenverhalten überwachen.
Dies auch deshalb, weil wir uns ganz klar vor Augen führen müssen: Bedingt durch die persönliche Verbandelung unserer Behörden durch den eher hablicheren Teil der Bevölkerung, (der kleinen Finanzelite), die sich im Tennisclub z.B. in Affoltern a.A. trifft, herrscht in einem Wort zusammengefasst: mehr oder weniger klar zu erkennende Korruption. Das bedeutet, auf informellem Weg wird aufgegleist, was sie sich offiziell auf der politischen Bühne nicht leisten können. Fazit: Wir werden "verarscht" und müssen den ganzen Bettel letztendlich bezahlen:
Repräsentanten, Firmenchefs und leitende Angestellte von Bauingenieurbüros , Baufirmen und weiteren kommeziellen Anbietern, sind meistens persönlich kollegial bestens mit Gemeinderäten verbandelt. So sind sie (oftmals auch auf verschlungenen Wegen) durch Kontakte auf der Beziehungsebene in die Lage versetzt, in unseren Gemeinden masslos durch zu hohe Stundenansätze abzugrasen, zulasten der Steuerzahlenden. Als ich am 1. Augst 2024 den Gemeindepräsidenten fragte, wie hoch der Stundenansatz des Ingenieurbüros sei, das vom soeben bewilligten Baukredit für die geplanten Schulgebäude profitiere, [weil mir der Baukredit ungerechtfertigt hoch erschien (wie übrigens in allen anderen Gemeinden auch), von den Stimmberechtigen aber naiverweise und in falschem Vertrauen genehmigt worden ist], wusste er die Antwort nicht. Aber seine Zornesader stieg und seine Hautfarbe wechselte zu deutlichem Rot. Da wagte ich keine weiteren Fragen. So läuft das in einer Gemeinde, die im Allgemeinen andererseits als sehr gut geführt, mit gutem Zusammenhang und starker Behördenpräsenz (die meisten per Du) an Veranstaltungen als Beispiel dienen kann, aber leider hinter dem Albis liegt und in den übrigen Gemeinden vom Bezirk eher aussen vor gelassen wird. Völlig zu Unrecht übrigens.