Gedanken zu uns, mit uns, über uns

 

Jose Paulo Almeida Costa,

Diakon der kath. Pfarrei Affoltern hat aus Anlass zur Auffahrt im Anzeiger einige Gedanken geäussert. Wir haben diese vom religiösen Geschäftsmodell-Denken befreit und die Essenz herausgeholt und da und dort etwas abgeändert. Aber das Grundkonstrukt stammt vom Diakon. Wir empfehlen sie als bedenkenswert und als Anregung, in uns zu gehen und um über uns nachzudenken.

Nähe ist nicht nur ortsgebunden, sondern eine Frage der Beziehung.

Wir sind ständig erreichbar, beantworten Nachrichten in Sekunden und versuchen, überall gleichzeitig präsent zu sein. Diese permanente Verfügbarkeit hat ihren Preis. Sie erschöpft und hinterlässt oftmals ein Gefühl von Leere.

Gleichzeitig  wächst bei vielen Menschen das Gefühl von Isolation. Trotz ständiger Vernetzung fehlt echte Nähe zu anderen. Aber auch zu uns selbst.

Das sollte uns veranlassen, unsere Präsenz neu zu denken. Vielleicht besteht wahre Nähe nicht darin, immer sichtbar zu sein.

In Unternehmen zeigt sich gute Führung nicht daran, dass eine Person alles kontrolliert. Im Gegenteil, die besten Führungskräfteschaffen Raum, damit andere Verantwortung übernehmen können.

Eltern, die ihren Kindern Vertrauen schenken, fördern deren Selbständigkeit mehr als jene, die alles steuern wollen.

Reife bedeutet, loslassen zu können, nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Vertrauen. Wer sich im richtigen Moment zurück nimmt, ermöglicht Wachstum. Loslassen ist dann nicht Verlust, sondern eine Voraussetzung dafür, dass neues entstehen kann. In einer Kultur, die schnelle Resultate und sichtbare Erfolge verlangt, wirkt diese Haltung fast ungewohnt. Sie fordert Geduld und den Mut, darauf zu vertrauen, dass nicht alles sofort sichtbar sein muss, um real zu sein.

Woran messen wir den Wert des Lebens? Nur am Sichtbaren oder auch an dem, was sich nicht direkt erfassen lässt, aber dennoch wirkt?  Lassen wir dieses Empfinden zu, was auch mit dem Hören auf die innere Stimme zu tun haben könnte?

Vielleicht besteht das Geheimnis des Lebens darin, nicht alles festhalten zu wollen, sondern den Mut zu haben, den Blick zu heben im Vertrauen darauf, dass uns eine Hoffnung trägt, auch wenn wir sie nicht immer sehen. Aber: Hoffen bedeutet, mit dem, was ist, nicht zufrieden zu sein, sagt René Egli in seinem Buch «Das Lola-Prinzip».